{"id":419,"date":"2023-08-06T08:38:00","date_gmt":"2023-08-06T08:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/weinlandmuehle.ch\/?p=419"},"modified":"2026-09-01T09:42:49","modified_gmt":"2026-09-01T09:42:49","slug":"die-proteinfrage-neu-gestellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.weinlandmuehle.ch\/?p=419","title":{"rendered":"Die Proteinfrage neu gestellt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wird die Beurteilung in der Milchproduktion bez\u00fcglich \u00f6kologischen und wirtschaftlichen Kriterien gemacht, dann sind bekannterweise K\u00fche mit sehr hohen Leistungen an der Spitze. Es wird sich zeigen, ob solche Ueberlegungen in Zukunft in den Hintergrund geraten oder ob sie aktueller denn je werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eiweiss vom Gr\u00fcnland im Ueberfluss<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweiz ist ein Grasland und als solches produziert sie auf den vorhandenen Fl\u00e4chen beste Ertr\u00e4ge bei Gr\u00fcn- und bei Konservierungsfutter. Die vielen (Alp-)Weiden sorgen f\u00fcr die reichhaltige Eiweissversorgung w\u00e4hrend der ganzen Gr\u00fcnsaison.Die Schweiz ist ein Grasland und als solches produziert sie auf den vorhandenen Fl\u00e4chen beste Ertr\u00e4ge bei Gr\u00fcn- und bei Konservierungsfutter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mittelland &#8211; dem eigentlichen Futterbaugebiet der Schweiz &#8211; sollen die Ertr\u00e4ge die Ganzjahres-Stallhaltung sicherstellen und bei der Energie wie auch beim Eiweiss hohe Lager f\u00fcr den Winter anlegen lassen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"200\" src=\"https:\/\/www.weinlandmuehle.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/proteinfrage_tabelle-300x200-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-420\" style=\"width:248px;height:auto\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Diese Zusammenstellung, die vor kurzem an einer Fachtagung in Gr\u00e4nichen gezeigt wurde, zeigt die unterschiedlichen Futterpflanzen-Produktionspotentiale beim Protein und Energie.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Verwertbarkeit des Ackerproteins thermisch verbessert<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In erster Linie ist dank den Wiesen und Weiden f\u00fcr die Wiederk\u00e4uer die Eiweissversorgung &#8211; sieht man vom Leistungsniveau ab &#8211; sichergestellt. Die auf dem Acker produzierten Rohstoffe wie Soja, Lupinen, Ackerbohnen und Eiweisserbsen zeigen unterschiedliche Rohproteinertr\u00e4ge mit einem klaren Sieger, der Soja. Hier gilt es nebst dem Ertrag immer auch den Vorfruchtwert dieser Ackerfr\u00fcchte zu betrachten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"200\" src=\"https:\/\/www.weinlandmuehle.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/proteinfrage_glasbehlter-300x200-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-421\" style=\"width:251px;height:auto\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Verh\u00e4ltnisse in den einzelnen Glasbeh\u00e4ltern zeigen die Unterschiede beim Rohproteinertrag der einzelnen Ackerfr\u00fcchte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Je l\u00e4nger je mehr geht es bei den Eiweisstr\u00e4gern (Soja, Lupinen, Ackerbohnen, Erbsen) vom Acker darum, eine hohe Verdaulichkeit oder Verwertbarkeit zu erzielen. Dieses Ziel ist auch erreichbar, wenn beispielsweise durch einen Langzeitkonditionierer mit Temperaturen von 100 Grad Celsius und einer 40min\u00fctigen Behandlungszeit eine hohe Lysin-Verdaulichkeit und Proteinl\u00f6slichkeit bei Soja herausschaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Toastprozess wie ihn die Weinlandm\u00fchle der Firma Glanzmann AG, Tr\u00fcllikon, anwendet, sind die positiven Effekte der hergestellten Produkte auf die Tierern\u00e4hrung nicht wegzudenken. Er ver\u00e4ndert die Aussenmerkmale und den eigentlichen Protein- und St\u00e4rkeinhalt. Vielmehr ist aber die Rede von der Einwirkung auf die antinutritiven Inhaltsstoffe und die Reduzierung der pathogenen Keime. Die Hitzeeinwirkung sch\u00e4digt das Eiweiss nicht; im Gegenteil sie verbessert die Abbaubarkeit. In einem Versuch aus dem Jahre 2003 konnte gar die Schlussfolgerung gezogen werden, dass die Behandlung eine effizientere Nutzung des Stickstoffs bewirkt und die Rentabilit\u00e4t der Milchproduktion verbessert wurde. (Quelle: Effekte einer hydrothermischen Behandlung von Lupinen auf die Eiwei\u00dfversorgung der Milchkuh M. Pries, A. Hauswald, Landwirtschaftskammer NRW, Nevinghoff 40, D-48417 M\u00fcnster).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und \u00fcbrigens publizierte erst im Mai 2018 Wolfgang Preissinger vom Institut f\u00fcr Tierern\u00e4hrung und Futterwirtschaft einen Versuch, bei dem Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen in Einsatzh\u00f6hen von 10 Prozent in der Ration keine negativen Auswirkungen auf Leistungen zeigten. Gegen\u00fcber einer Kontrollration mit Soja ist beim Einsatz von Erbsen und Ackerbohnen jedoch eine Aminos\u00e4urenerg\u00e4nzung mit Methionin und Threonin anzustreben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Dem \u00abToasten\u00bb zugeschrieben<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein R\u00f6staroma f\u00fchrt dazu, dass jeder glaubt, die bearbeitete Rohstoffkomponente habe sich in der Akzeptanz der Tiere um Welten verbessert. Nicht selten stellen Milchviehhalter die Behauptung auf, dass so gef\u00fctterte K\u00fche bei besserer Gesundheit und Fruchtbarkeit sind und dies \u00fcber eine l\u00e4ngere Nutzungsdauer zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Verschiedene antinutritive N\u00e4hrstoffe k\u00f6nnen zum gr\u00f6ssten Teil entweder inaktiviert werden (Trypsin, Lectine) oder reduziert werden (Tannine). Die Ureaseaktivit\u00e4t, welche Harnstoff in Ammoniak spaltet, dient zur Erfassung dieser Inhibitoren; beispielsweise enth\u00e4lt die Sojabohne 25 mg pro Gramm; wird sie optimal getoastet, liegt dieser Wert unter zwei Milligramm pro Gramm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem Toasten werden im Verdauungstrakt der Wiederk\u00e4uer ebenfalls zwei wichtige Fakten zugeschrieben: Einerseits wird der Pansen weniger mit Rohprotein \u00fcberflutet und andererseits wird er dadurch auch weniger \u00fcbers\u00e4uert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei den Einsatzmengen f\u00fcr die Monogastrier ist keine Sch\u00e4digung des Eiweisses zu erwarten; im Gegenteil die Verdaulichkeit des Rohproteins und der Aminos\u00e4uren nimmt durch die Behandlung um zwei bis vier Prozent zu. (Quelle: Thermische Aufbereitung von K\u00f6rnerleguminosen von Ulrich Abraham B\u00f6rde Kraftkorn Service)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"200\" src=\"https:\/\/www.weinlandmuehle.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/proteinfrage_soja-300x200-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-422\" style=\"width:255px;height:auto\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Erst die Hitzebehandlung (\u00abToast-Effekt\u00bb) macht aus der Soja einen hervorragenden Proteintr\u00e4ger.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In die Schweiz werden gegen 280 000 Tonnen Soja importiert; hier nur wenig substituieren zu wollen ist bei Mengen wie bei den Erbsen von 14118 Tonnen und bei den Sojabohnen von 5642 Tonnen zwar w\u00fcnschenswert, aber kaum m\u00f6glich. Eines ist aber sicher, es gilt, nachhaltig damit umzugehen und vorhandenen Rohstoffe bestm\u00f6glich einzusetzen. &nbsp;Dies gilt in Zukunft noch mehr\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wird die Beurteilung in der Milchproduktion bez\u00fcglich \u00f6kologischen und wirtschaftlichen Kriterien gemacht, dann sind bekannterweise K\u00fche mit sehr hohen Leistungen an der Spitze. Es wird sich zeigen, ob solche Ueberlegungen in Zukunft in den Hintergrund geraten oder ob sie aktueller denn je werden. 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